Wirtschaftsoffensive

75’000 Quadratmeter machen Allschwil mal wieder zum Musterknaben

Gestern veröffentlichten die Eigentümer eines 75’000 Quadratmeter grossen Gebiets im Areal Bachgraben – das Bürgerspital Basel und die EBM – den Masterplan für eine stufenweise Überbauung zwischen 2014 und 2018.

Anton Lauber konnte seinen Stolz kaum verhehlen: Als Regierungsrat, «aber auch noch ein bisschen als Gemeindepräsident», freute er sich gestern sichtlich über den neuesten Allschwiler Coup in Sachen Wirtschaftsförderung.

Auch wenn die Initiative für die weitere gewerbliche Erschliessung des Bachgraben-Areals an der Grenze zu Basel auf 75’000 Quadratmetern auf die Grundstückeigner Bürgerspital Basel und EBM zurückgeht, pries Lauber seine alte Gemeinde Allschwil als «gelebte Wirtschaftsförderung, wie sie sich der Kanton auf die Fahne geschrieben hat».

«Blaupause» für Wirtschaftsoffensive

Konkret geht es um das Gelände zwischen Hegenheimermattweg, Kreuzstrasse, Kiesstrasse und Lachenstrasse, auf dem sich derzeit noch Schrebergärten befinden, die über die Basler Stadtgärtnerei zwischenverpachtet sind. Angesichts dieses in Basel heiklen Themas versichern die Bauherren, dass man sich mit den Pächtern gütlich geeinigt habe und der Abbau der Gärten stufenweise bis 2018 erfolge. Die Grundstücke stehen neuen Investoren entsprechend nach und nach zur Verfügung, die äusseren bereits ab nächstem Jahr, die inneren schrittweise ab 2016 beziehungsweise 2018.

Auch die Baselbieter Baudirektorin Sabine Pegoraro lobte die Initiative von Bürgerspital und EBM: «Sie tragen wesentlich zur prosperierenden Zukunft des Kantons bei.» Der Bachgraben sei eines der 37 Areale, die die kantonale Wirtschaftsförderung als Entwicklungsgebiet deklariert habe und dahingehend eine «Blaupause» für andere Gewerbezonen. Die Hoffnung des Kantons ruht vor allem auf Firmen aus der Life-Sciences-Branche.

Der leitende Architekt Urs B. Lehmann von Burckhardt & Partner ergänzte, die Überbauung des Gebiets solle ein «Schlussstein zwischen Stadt und Land» sein, der für die Investorensuche den klangvollen Namen «Base Link – International hub for rising technologies Switzerland» bekommt. Im Gebiet sind 16 Baugrundstücke zwischen 2300 und 4600 Quadratmetern ausgewiesen. Diese können auch in Kombination bebaut werden; gesetzt sind allerdings der im Masterplan vorgesehene Grüngürtel in der Mitte sowie zwei Grundstücke für zentrale Parkhäuser. Der Hegenheimermattweg bekommt eine weitere Bushaltestelle.

Grünflächen als «Identitätsstifter»

Laut Lehmann spielen die Grünflächen eine zentrale Rolle; sie sollen eine «ganz spezielle und grosse Identität» der Beschäftigten mit ihrem Arbeitsplatz bewirken. Immerhin knapp 14 000 Quadratmeter werden für «üppige, hochstämmige Bepflanzung» freigehalten. Durch sie sollen sich Fussgänger- und Velowege schlängeln; unter ihnen befinden sich dann Erdwärmesondenfelder. Auf den Dächern der Gebäude sind Photovoltaikanlagen obligatorisch.

Seit vier Jahren bereiten Bürgerspital und EBM den Bebauungsplan des Gebietes vor. Ein früherer Versuch in den Neunzigern war am Protest der Bürgergemeinde Basel gescheitert, wie Spitaldirektor Fritz Jenny in Erinnerung rief. 1998 habe man sich auf eine Pachtverlängerung für die Familiengärtner bis Ende 2013 respektive für die inneren Parzellen bis Ende 2015 und 2017 geeinigt. Für alle Pächter biete die Stadtgärtnerei Ersatzflächen an, bekräftigte Jenny.

Zum Schluss fühlte sich Lauber offenbar wieder als Gemeindepräsident: Im Gegensatz zu Kollegin Pegoraro sieht er im Bachgraben kein «bestens erschlossenes Arbeitsgebiet» und wiederholte seine alte Forderung nach einem direkten Autobahnanschluss. Als Regierungsrat jedoch hat er selbst darauf nun grösseren Einfluss.